Mit dem 1. Januar 2018 hat der Gesetzgeber im Rahmen des neuen Investmentsteuergesetzes eine sogenannte Vorabpauschale auf Erträge von Fonds eingeführt. Dieses geschah als Ausgleich für die zeitgleich eingeführte Körperschaftsteuer auf Erträge, welche die Fonds erzielen.

Deutsche Fondsanleger müssen damit 2019 erstmals diese Vorabpauschalen an das Finanzamt abführen.

Mit der Investmentsteuerreform sollen Gewinne aus Fondsanlagen möglichst jährlich und nicht erst bei Veräußerung der Anteile besteuert werden. Dafür wurde die „Vorabpauschale“ eingeführt, als Grundlage, von der die Kapitalertragsteuer zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer berechnet wird.

Wirtschaftlich betrachtet handelt es sich um eine vorweggenommene Besteuerung zukünftiger Wertsteigerungen des Fondsvermögens. So stellt das Finanzamt sicher, dass eine Mindestbesteuerung auf Anlegerebene stattfindet – auch in Fällen, in denen ein Fonds keine oder eine zu geringe Ausschüttung vornimmt.

Die Vorabpauschale ist dabei auf die Wertsteigerung im Kalenderjahr begrenzt – es wird also nichts besteuert, was nicht erwirtschaftet wurde. Dabei handelt es sich um eine vorweggenommene Steuer, welche in der Regel nur bei thesaurierenden Fonds erhoben wird. Die Höhe der Teilfreistellung hängt dabei von der jeweiligen Mindestinvestitionsquote in Aktien ab, in die der jeweilige Investmentfonds investiert.

Je nach Anlagestrategie des Investmentfonds ergeben sich automatisch unterschiedliche Teilfreistellungsquoten und somit unterschiedliche Steuerbelastungen des Anlegers. Investiert ein Investmentfonds mindestens 25 % in Aktien, so erhält ein Anleger 15 % der bisher steuerpflichtigen Erträge steuerfrei ausgezahlt. Bei einer Aktienquote von über 51% in dem jeweiligen Investmentfonds erhält der Anleger hingegen 30 % steuerfrei.

Hat ein Anleger zu seinem Fondsdepot auch ein Verrechnungskonto, erfolgt in der Regel die Belastung dieser Beträge auf dem Verrechnungsskonto. Als Alternative würde die Depotstelle dann Fondsanteile des betreffenden Investmentfonds verkaufen.

 

Wie wird die Vorabpauschale berechnet?

Ermittlung, ob der Fonds eine Wertsteigerung hat (Fondspreis Ende des Jahres > Fondspreis Anfang des Jahres). Gibt es keine Wertsteigerung, gibt es keine Vorabpauschale für diesen Fonds und damit auch keine Steuerbelastung.

Vergleich des vom Gesetzgeber definierten Basisertrags mit der Summe der im letzten Jahr erfolgten Ausschüttungen des Fonds.

Basisertrag = Rücknahmepreis zum Jahresanfang x Basiszinssatz1 x 70 %

Nur wenn der Basisertrag höher ist als die Summe der erfolgten Ausschüttungen des Fonds, kann es zu einer Vorabpauschale kommen. Der Basisertrag ist begrenzt auf die tatsächliche Wertsteigerung des Fonds.

Ermittlung der Vorabpauschale

Bei ausschüttenden Fonds wird die Ausschüttung des Kalenderjahres vom Basisertrag abgezogen:

Vorabpauschale = Basisertrag – Ausschüttung des letzten Kalenderjahres

Bei nicht ausschüttenden Fonds (thesaurierende Fonds) ist die Vorabpauschale identisch mit dem Basisertrag:

Vorabpauschale = Basisertrag – Ausschüttung des letzten Kalenderjahres (=0)

Wichtig: Wenn bei einem ausschüttenden Fonds die Ausschüttung nicht hoch genug ist, wird zusätzlich die Vorabpauschale angesetzt. Die steuerlich relevanten Erträge fließen dann zu zwei unterschiedlichen Stichtagen zu. Die Ausschüttung fließt in dem Kalenderjahr zu, in dem sie gezahlt wird und die Vorabpauschale fließt am ersten Werktag des folgenden Kalenderjahres zu.

Rechenbeispiele:
Fonds hat hohe Wertsteigerung:
Wert der Fondsanteile zum 01.01.2018: 10.000 EUR
Wert der Fondsanteile zum 31.12.2018: 10.500 EUR
Wertsteigerung: 500 EUR
Basisertrag: 10.000 EUR * 0,87 % * 0,7 = 60,90 EUR

Weil der Basisertrag (60,90 EUR) kleiner ist als die Wertsteigerung der Fondsanteile in einem Jahr (500 EUR), dient der Basisertrag gleich als zu versteuernde Vorabpauschale (60,90 EUR). Sollte die Wertsteigerung dagegen geringer ausfallen als der Basisertrag, gilt sie als Vorabpauschale.

Fonds hat geringe Wertsteigerung:
Wert der Fondsanteile zum 01.01.2018: 10.000 EUR
Wert der Fondsanteile zum 31.12.2018: 10.050 EUR
Wertsteigerung: 50 EUR
Basisertrag: 10.000 EUR * 0,87 % * 0,7 = 60,90 EUR

Da der Basisertrag (60,90 EUR) größer ist als die Wertsteigerung der Fondsanteile in einem Jahr (50 EUR), dient die Wertsteigerung als zu versteuernde Vorabpauschale (50 EUR).

Vorabpauschale bei ausschüttenden Fonds

Um die Vorabpauschale zu errechnen, wird vom Basisertrag die Ausschüttung des Vorjahres abgezogen.

Wert der Fondsanteile zum 01.01.2018: 10.000 EUR
Wert der Fondsanteile zum 31.12.2018: 10.500 EUR
Wertsteigerung: 500 EUR
Ausschüttung in 2018: 50 EUR
Basisertrag: 10.000 EUR * 0,87 % * 0,7 = 60,90 EUR

Weil der Basisertrag (60,90 EUR) kleiner ist als die Wertsteigerung der Fondsanteile in einem Jahr (500 EUR), dient der Basisertrag gleich als zu versteuernde Vorabpauschale (60,90 EUR). Auf die Vorabpauschale werden nun die 50 EUR Ausschüttung angerechnet. Versteuert werden daher wie bislang die Ausschüttung (50 EUR) und die verbleibende Differenz zur Vorabpauschale (60,90 EUR – 50 EUR = 10,90 EUR).

Der Basiszins wird am ersten Tag des Jahres im Bundessteuerblatt veröffentlicht. Dieser wird von der Bundesbank berechnet. Um auch Kosten für den Anleger zu berücksichtigen, wird dieser Basiszins stets um 30% reduziert.

Wann wird die Vorabpauschale versteuert?

Die Vorabpauschale wird Anfang Januar des Folgejahres veröffentlicht, dann gilt sie dem Anleger steuerlich als zugeflossen. Die Kapitalertragsteuer auf die Vorabpauschale wird von der Depotstelle ermittelt und direkt an das Finanzamt abgeführt. Natürlich vorab verrechnet gegen einen vorhandenen Verlustverrechnungstopf, einen hinterlegten Freibetrag bzw. eine Nichtveranlagungsbescheinigung.

Wichtig: Alle Vorabpauschalen, die während der Haltedauer des Fonds angesetzt wurden, werden auf den Verkaufserlös in voller Höhe angerechnet. Diese Erträge müssen Anleger somit kein zweites Mal versteuern.

Ersetzt die Vorabpauschale die bisherigen „ausschüttungsgleichen Erträge“?

Die Vorabpauschale ersetzt die ausschüttungsgleichen Erträge bei thesaurierenden bzw. nicht vollständig ausschüttenden Fonds.